Launische Pfade – eine vergleichende Analyse der lokalen Identität an Polens West- und Ostgrenze

Der Vergleich zwischen Polens Ost- und Westgrenzen zeigt: Die Öffnung der EU-Binnengrenzen führt zur Befestigung der Außengrenzen. Doch während nationale Diskurse starke Grenzen als Symbol der nationalen Souveränität deklarieren, favorisieren lokale Diskurse hingegen Grenzoffenheit. Begünstigt dieser Widerspruch die Entstehung von regionalen, transnationalen Identitäten?

von Martin Barthel, Joensuu

Krzysztof verlässt jeden Morgen um 8:00 Uhr die deutsche Grenzstadt Löcknitz. Seine Kinder sind um diese Zeit bereits in der örtlichen Schule. Seine Frau wird den Zug nach Szczecin etwas später nehmen, da sie später mit der Arbeit beginnt.

Auf seinem Weg über die Grenze befindet sich Krzysztof in der Mitte des Pendlerstromes in Richtung Polen. Die 30 Kilometer nach Szczecin lohnen sich, da Mieten und Hauspreise in Löcknitz günstiger als in Polen sind. Seine Familie hätte es sich trotz zwei Gehältern nicht leisten können ins eigene Haus zu ziehen. Sie waren nicht die ersten, die die Vorteile deutscher Orte wie Löcknitz oder Gartz als Vorstädte von Szczecin entdeckten – Verwaltungen, Schulen und Wohnbaugesellschaften fingen schon 2007 an, polnische Pendler mit erschwinglichem Wohnraum und guter Lebensqualität in die ansonsten demographisch schrumpfende Region zu locken (Balogh 2013).

Krzysztof erinnert sich noch an die Zeit, bevor Polen dem Schengenraum beitrat. Die Grenze wurde streng kontrolliert und es wäre unmöglich gewesen, ans tägliche Pendeln zu denken. Heutzutage ist die Grenze für Krzysztofs Alltag wenig relevant, obwohl er sie täglich mehrmals übertritt. Dank der offenen Grenze hat sich das Leben in der Grenzregion sehr verbessert.
Zur gleichen Zeit hat Yulia ihre Wohnung in der ukrainischen Stadt Lviv bereits seit zwei Stunden verlassen. Um ihre kleine Rente aufzubessern, fährt sie regelmäßig im Marschrutka-Taxi zum polnisch-ukrainischen Grenzübergang in Medyka. Hier wird sie den Tag als „Mrowka“ (Ameise) verbringen. Sie wird Wodka und Zigaretten in der Ukraine kaufen und sie auf die polnische Seite bringen und verkaufen. Dort wird sie Lebensmittel oder Waschmittel für ukrainische Käufer erwerben. Ihr Profit ist abhängig von der Anzahl der Runden, die sie an einem Tag bewältigen kann (Byrska-Szklarczyk 2012).

Bis 2004 war die Grenze leicht zu überqueren, doch seit dem Beitritt Polens zur EU hat sich ihr Leben verkompliziert. Konnte Sie früher die Grenze ohne Visum überqueren, braucht sie jetzt ein Einreisevisum, und die Wartezeiten an der Grenze sind gestiegen (Barthel 2016). Die Überquerung der Grenze ist für sie ein tägliches Glücksspiel, das enorme Auswirkungen auf ihr Einkommen hat. Viele ihrer Kollegen haben bereits aufgegeben, doch sie hält weiter durch und hofft, dass die aktuellen Visa-Erleichterungen ihrem Leben helfen.

Die hier dargestellten Personen sind fiktiv, aber die täglichen Abläufe und die alltägliche lokale Wahrnehmung der Grenze werden von vielen Forschenden bestätigt und stehen stellvertretend für viele andere Regionen entlang der inneren und äußeren Grenzen der EU (Scott 2015).

Barthel, Martin (2017): „Launische Pfade – eine vergleichende Analyse der lokalen Identität an Polens West- und Ostgrenze“, Ost Journal 02/2017, S. 62-71.


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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Grenzänderungen und damit verbundene Abgrenzungsprozesse zwischen alten Nachbarn zum Teil der politischen Realitäten in Osteuropa. Die neuen Grenzen wurden mystifiziert und die Umstände der Grenzziehung, wie der Austausch von Bevölkerung und Territorium oder der Widerstand von ethnischen Minderheiten, tabuisiert. Selbst zwischen „sozialistischen Bruderstaaten“ waren die Grenzen schwer bewacht und befestigt. Gleichzeitig wurden Sie als Friedensgrenzen zu ideologischen Symbolen der sozialistischen Freundschaft. Eine kritische Aufarbeitung ihrer Entstehung war unmöglich (Barthel 2016: 207).

Die Ost- und Westgrenze Polens wurde zwischen 1945 und 1947 von Um- und Neuansiedlung von großen Teilen der Bevölkerung geprägt. Dieser Bevölkerungsaustausch trug zur Entfremdung mit und in den Grenzregionen bei, geprägt von einer gebrochenen lokalen Identität. Erst Ende des Kalten Krieges und der EU-Erweiterung kam es zu einer Neudefinition in beiden Grenzregionen. Ab 2004 wurde die Grenze zu Deutschland zu einer internen EU-Grenze. Durch die grenzüberschreitende Mobilität verlor die Grenze ihre Bedeutung für den Alltag der Grenzländer.

Die Grenze zur Ukraine wurde Teil der stark kontrollierten EU-Außengrenze. Es wurden Visumpflicht und starke Zollkontrollen eingeführt, was eine allmähliche Schließung der Grenze bedeutete. Erst seit Mai 2017 ist die Visumpflicht aufgehoben, es bleibt abzuwarten, wie dies die Grenzregion verändert (Stokłosa 2012).

Der Artikel wird einen kurzen Überblick über die Entwicklung der beiden Grenzregionen geben und untersucht, wie die Grenze von den lokalen Grenzländern genutzt wird und welche Auswirkungen dies auf den Alltag an der Grenze und die Wahrnehmung der  Nachbarn hat. Die Analyse basiert auf Literaturanalyse, Feldforschung und Experteninterviews in der deutsch-polnischen Grenzregion um Szczecin und der ukrainisch-polnischen Grenzstadt Przemyśl.

 

Erzählung der Grenze – regionale Diskurse an der Grenze

Die Deutsch-Polnische Grenzregion – Szczczin und ihr deutsches „subbordia“

Um die Entwicklungswege der beiden Grenzregionen zu verstehen, ist es notwendig, die nach 1991 dominierenden lokalen Diskurse zu analysieren. Diese Diskurse haben eine enorme Auswirkung auf die Entwicklungen in den beiden Regionen und helfen, Ähnlichkeiten und Unterschiede in der grenzüberschreitenden Interaktion zu erkennen.

Die Beziehungen an der deutsch-polnischen Grenze waren 1991 nicht nur durch die Nachkriegsgeschichte stark beeinträchtigt, sondern auch durch die Diskurse übereinander in den 80er Jahren. Während die Polen die wirtschaftliche Situation in der DDR als positiv wahrnahmen, schätzten die Deutschen die liberalere Politik in Polen. Die lokalen deutschen Behörden beobachteten diese Beziehung kritisch und arbeiteten ab der Erklärung des Kriegsrechtes in Polen 1980 offen mit antipolnischen Ressentiments, um das Wirken der Gewerkschaftsbewegung Solidarność zu diskreditieren (Hinrichsen 2015). Die Grenze wurde weitestgehend geschlossen und die lokalen Interaktionen zwischen den beiden Ländern kamen zum Erliegen.

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 öffnete sich die Grenze wieder. Die lokalen Reaktionen waren jedoch zwiegespalten. Die Polen spürten, dass die Grenze unsicher wurde und misstrauten den Deutschen. Auf der anderen Seite erkannten lokale Unternehmer und Behörden die Chancen der Nachbarschaft zu einem wirtschaftlich starken Nachbarn in der Europäischen Gemeinschaft.

Auf der deutschen Seite herrschte ein Gefühl der Überlegenheit vor, basierend auf einem gefühlten Entwicklungsvorsprung. Die Wahrnehmung des östlichen Nachbarn wurde von einem übertriebenen Fokus auf Kriminalität und Korruption beeinflusst. Diese Vorstellungen wurden durch die lokalen Medien gestärkt und überdeckten die pragmatischen Bemühungen von lokalen Behörden und Vereinen, neue grenzüberschreitende Beziehungen aufzubauen (Beurskens 2015).

Die offene Grenze ermöglichte ein neues Maß an Interaktion. Polen begannen in Deutschland zu arbeiten, Deutsche fuhren nach Polen, um Zigaretten, Benzin und Alkohol zu kaufen.

Durch die Aufarbeitung der Vergangenheit begannen die Grenzbewohner die regionale Identität neu zu bewerten. Die Bürger von Szczecin begannen das deutsche Erbe der Stadt zu entdecken, was sich in einer Flut von Forschungsprojekten und Romanen zeigte, die zur Gestaltung einer neuen regionalen Identität beitrugen. Musekamp beschreibt dies als faszinierenden Prozess, in dem die Erinnerung an die deutsche Großelterngeneration von der polnischen Enkelgeneration gestaltet wird (Musekamp 2013).
Der breite Diskurs in der Grenzregion tendiert seit 1991 in Richtung Zusammenarbeit, trotz vorhandener Ressentiments und Angriffe deutscher Nazis auf Polen.
Besonders die 1995 gegründete Euroregion Pomerania, bestehend aus Regionen in Deutschland, Polen und Schweden, funktioniert als herausragende Plattform für die institutionalisierte Zusammenarbeit von Kommunen, Kreisen und anderer öffentlichen Institutionen.

Deutsch-polnische Grenze auf Usedom, Foto: Sven, Flickr, CC BY-SA 2.0
Deutsch-polnische Grenze auf Usedom, Foto: Sven, Flickr, CC BY-SA 2.0

Im Alltag der Grenzregion begann die Grenze mit dem Beitritt Polens zur EU 2004 und dem Schengen-Acquis 2007 zu verblassen. In Vorpommern und der Uckermark, dem ehemaligen westlichem Hinterland von Szczecin, begannen die deutschen Gemeinden, die positiven Metropolisierungseffekte zu erkennen, die durch die zunehmende Suburbanisierung verursacht wurden.
Städte wie Pasewalk, Löcknitz oder Gartz profitierten aufgrund der steigenden Immobilienpreise in Szczecin und der guten Verkehrsinfrastruktur zum neuen, alten Zentrum. Polen mieteten oder kauften die leeren Häuser und Wohnungen im deutschen Umland und pendelten täglich zur Arbeit nach Polen (Lis 2013).

Die Kommunen fingen an, um neue Bewohner zu werben. Den lokalen Verwaltungen war klar, dass sie die Nachteile der Peripherie wie schrumpfende Bevölkerung, niedrige Produktivität und sinkende Steuereinnahmen durch die neuen grenzüberschreitenden Dynamiken lindern könnten. Um die Metropolisierungs- und Suburbanisierungsprozesse sinnvoll und nachhaltig zu steuern, stellte sich die Frage der raum- und regionalplanerischen Einbettung. Auf der institutionellen Ebene kämpften die deutschen Kommunen mit Ignoranz gegenüber den grenzüberschreitenden Dynamiken, während die polnischen Gemeinden mit dem offenen Widerstand der nationalen Planungsbehörden zu kämpfen hatten.

Erste grenzüberschreitende kommunale Zusammenarbeit wurde daher durch persönliche Kontakte initiiert und durch Fonds und Programme der EU finanziert. Diese Netzwerke hingen von Einzelpersonen ab und boten nur ein begrenztes Maß an Nachhaltigkeit.

Mit der Revision der polnischen Planungspolitik und der Ausweisung von Metropolregionen im Rahmen der europäischen Raumplanung ab 2005, gründeten die Stadt Szczecin und ihre polnischen Nachbargemeinden 2009 den Verband der Szczeciner Metropolregion (Stowarzyszenie Szczecinskiego Obszaru Metropolitarnego). Der Verband arbeitete eng durch die Euroregion Pomerania mit den deutschen Nachbargemeinden zusammen (Małachowski 2013).

Das Ausmaß der Kooperation war für einige deutsche Gemeinden jedoch noch zu gering. Die Stadt Gartz bemühte sich zum Beispiel, angetrieben durch die Initiative des Bürgermeisters, ein assoziiertes Mitglied im polnischen Verband zu werden und dadurch an der grenzüberschreitenden lokalen Planung zu partizipieren. Diese Initiativen liefen aufgrund rechtlicher Vorschriften ins Leere, mündeten jedoch in weiteren Kooperationen und informellem Austausch zwischen den Kommunen auf beiden Seiten der Grenze.

Im Jahr 2015 führte diese Kooperation zur Erarbeitung des deutsch-polnischen Entwicklungskonzeptes für die grenzübergreifende Metropolregion Szczecin. Erstmals arbeiteten hier für die Landesplanungsbehörden aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin/Brandenburg Planungsämter der Woiwodschaft Zachondipommorskie und der Stadt und dem Powiat Szczecin zusammen. Ein Wehrmutstropfen war, das in Polen keine nationalen Planungsbehörden involviert waren, was die Verbindlichkeit des Konzepts einschränkte (Ministerium für Infrastruktur und Entwicklung Polen: 2014).

 Diese regionale Zusammenarbeit im Planungsbereich wird durch die Kohäsionspolitik der EU, die den Regionen größere Gestaltungsräume gewährt, unterstützt und ermöglicht die lokale transnationale Zusammenarbeit auch gegen den Widerstand der Nationalstaaten. Lis bemerkt hierzu, dass die Metropolregion in ein grenzüberschreitendes europäisches Labor für den Alltag, die Sprache, die Erziehung, die Arbeit und die Freizeit verwandelt wird – in denen Ideen entstehen, wie Polen und Deutsche die Region gemeinsam entwickeln und neue Formen europäischer Identität gestalten können (Lis, Światkowska-Lis, Olejnik 2014).

 

Die polnisch-ukrainische Grenzregion – Przemyśl und die lokale Perspektive auf die Grenze

Die polnisch-ukrainische Grenzregion war bis 1991 von ähnlichen Prozessen gekennzeichnet wie die deutsch-polnische. Die Grenze ist ein Produkt des Zweiten Weltkrieges, verbunden mit erzwungener Umsiedlung und einem dreijährigen Bürgerkrieg zwischen Polen und der ukrainischen Minderheit. Die gewaltsame Grenzziehung wurde vom kommunistischen Regime tabuisiert. Alle lokalen Diskurse, die mit der Vergangenheit der Region verbunden waren, bekamen den Geschmack von Geheimhaltung und Gerüchten.

Mit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wurde die Grenze weit geöffnet und zum ersten Mal seit 1945 gab es visumsfreien und unbeschränkten Verkehr über die Grenze. Als neue Nachbarn entwickelten die Polen ein lebendiges Interesse an der Europäisierung der Ukraine. Warschau empfand sich als Anwalt und Lotse für Kiew, was zu einer tieferen Zusammenarbeit auf nationaler Ebene führte und die Grenze weit öffnete (Wolczuk 2008).

Polnisch-Ukrainischer Grenzübergang bei Berdyszcze, Foto: Ruben Holthuijsen. Flickr, CC BY 2.0
Polnisch-Ukrainischer Grenzübergang bei Berdyszcze, Foto: Ruben Holthuijsen, Flickr, CC BY 2.0

Die Ambitionen Warschaus wurden jedoch auf lokaler Ebene nicht geteilt. Die offene Grenze führte zu starken lokalen nationalistischen Antworten, die die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten beeinträchtigten (Buzalka 2008). Der ehemalige Vize-Voivod Stanisław Żółkiewicz wurde einer der bedeutendsten Einzelakteure in der Region, der nationalistische Diskurse befeuerte und die wahrgenommene Angst vor einer Ukrainisierung der Stadt schürte. In den Jahren ab 1991 herrschte in der Stadt ein Diskurs der nationalen Zugehörigkeit.

Als die katholische Kirche 1991 die Karmeliterkirche in Przemyśl als Zeichen der Versöhnung der ukrainischen Kirche zurückübertragen wollte, besetzte er mit dem „Komitee zur Verteidigung der Polen in Przemyśl“ die Kirche. 1993 organisierte er Widerstand gegen den Beitritt von Przemyśl zur Euroregion Carpathia und blockierte 1995 mit der „Gesellschaft der Verteidiger der Erinnerung an den Adler von Przemyśl“ (poln. Stowarzyszenia Obroncow Pamięci Orląt Przemyskich) die Pläne, ein Festival der ukrainischen Minderheit in Przemyśl zu organisieren (Hobal 2008).

Während diese nationalistischen Aktivitäten die Schlagzeilen dominierten, entwickelte sich grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene und zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Verwaltungsmitarbeiter, NGOs und lokale Unternehmer erkannten, dass die Grenze eine Ressource für die Stadt darstellt. Diese Ressource war den lokalen Eliten wichtiger als der nationalistische Standpunkt, der die Grenze als Symbol der nationalen Souveränität verstand. In dem seit 2007 veröffentlichten Stadtentwicklungsleitbild „Strategia sukcesu“ wird dementsprechend die Grenznähe als einer der wichtigsten Standortvorteile der künftigen strukturellen Entwicklung der Stadt gesehen (Miasta Przemysl 2014).
In den während der Feldforschung durchgeführten Interviews wurde eine gewisse Identifizierung mit dem „Leben an der Grenze“ und eine proto-regionale Identität messbar. In der linguistischen Landschaft der Stadt sind regional geprägte Identitätsmuster wie ‚Galicja‘ oder ‚Ziemia przemyska‘ präsenter als national geprägte Muster wie ‚Podkarpackie‘ oder ‚Kresy‘. Besonders transnational orientierte Kreise sind bestrebt, die Grenze für die Zusammenarbeit und die Entwicklung der Region zu institutionalisieren. Die ethnischen Minderheiten haben hier eine Schlüsselrolle. Die polnische Minderheit in der Ukraine ist für viele lokale NGOs ein selbstverständlicher Partner. Die ukrainische Minderheit in Polen wirkt transnational, fühlt sich aber in Przemyśl nicht besonders integriert. Während der Interviews kam es zu Aussagen, dass die Zusammenarbeit zwischen der Minderheit und polnischen Institutionen zunehme, je weiter weg sie von Przemyśl stattfinde (Barthel 2016: 209).

Ein weiterer wichtiger transnationaler Motor sind die Basare, die ein Zentrum grenzüberschreitender, persönlicher Kontakte bilden (Barthel 2010). Die Händler, deren Lebensunterhalt vom Status der Grenze anhängig ist, spüren am stärksten ein Gefühl der Andersartigkeit und sind Hauptträger der Grenzidentität.

Die Grenze hat für jede Generation eine andere symbolische Bedeutung. Während die ältere Generation an imaginären oder echten Wunden der Geschichte festhält, sind die Jüngeren entspannter (Kennard 2014). Für sie war die Grenze immer eine Realität und sie haben sich an ihren offenen Charakter gewöhnt. Auch wenn die schwierige, unbewältigte Vergangenheit einen negativen Effekt auf die lokale Zusammenarbeit hat, deutet der entspannte Umgang Mechanismen an, die Paasi (1995) als Heilung der Grenze und Identität beschreibt.

 

Binnen- und Außengrenze – der Einfluss der Europäisierung auf beide Grenzregionen

Die Regionen mag 1.000 Kilometer trennen, jedoch teilen Sie sich eine Reihe gemeinsamer Merkmale. Beide Grenzen sind durch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges geprägt, die den lokalen Diskurs bis heute beeinflusst.

In beiden Regionen gibt es eine Art von „Grenzidentität“, die mit einem Gefühl der Andersartigkeit und Abgehängtheit verbunden ist. Der Alltag ist geprägt, aber nicht dominiert von der Grenze. Beide Regionen werden nicht nur durch die Politik Warschaus bestimmt, sondern auch durch die Politik der EU. Die Grenze wird als lokale Ressource verwendet. Während in Przemyśl Einheimische in verschiedenen Formen des Grenzhandels tätig sind, strebt Szczecin an, eine grenzüberschreitende Metropolregion zu schaffen, was in beiden Fällen zur Stärkung der lokalen Entwicklung beiträgt.

Der Hauptunterschied ist die Verbindung über die Grenze hinweg. Während dank Schengen die Grenze in der deutsch-polnischen Region verblasst ist und die grenzüberschreitende Interaktion die Region in ein bi-nationales Laboratorium verwandelt, wird die harte Außengrenze in der polnisch-ukrainischen Grenzregion als Filter oder Hindernis wahrgenommen. In Przemyśl ist die grenzübergreifende Interaktion meistens auf kommerzielle Aktivitäten beschränkt, und für die Einheimischen ist die Grenze die einzige besondere Ressource der Stadt.

Die lokalen Eliten befürworten eine offene Grenze, gleichzeitig wünschen sie sich jedoch keine grenzenlose Region, wie es an Polens Westgrenze Realität ist, da in ihrer Wahrnehmung der wichtigste Standortvorteil für die Region verschwinden würde und sie dann in einer weiteren abgehängten, peripheren Region ohne Perspektive leben würden.

Martinez und O’Dowd deuten das Ausnutzen der Grenze als regionale Ressource für ein   Zeichen und ein Gefühl von Andersartigkeit (otherness) (Martínez1994). Als Ressource bestimmt die Grenze den lokalen Alltag und beeinflusst die individuellen sozio-ökonomischen Strategien in der Grenzregion. Die Grenze wird mit persönlicher und lokaler Symbolik beladen, die sich von den Erzählungen des Nationalstaates unterscheidet.

Die Kluft zwischen nationalen und lokalen Erzählungen führt zum Gefühl der Andersartigkeit, was die Entstehung einer separaten regionalen Identität begünstigt.

Wie diskutiert, haben sich in beiden Grenzregionen divergierende regionalen Erzählungen entwickelt. Przemyśl profitiert vor allem durch den Grenzhandel. Die Stadt wird als der wichtigste „Binnenhafen“ Polens bezeichnet, was die Rolle des Grenzüberganges in Medyka für den Verkehr zwischen der Ukraine und der EU unterstreicht (Voznyak 2000).

Die Entwicklung des Grenzhandels wird seit 1991 durch einen Prozess der Professionalisierung und Legalisierung bestimmt.  Die ersten Grenzhandelsaktivitäten begannen Ende der achtziger Jahre. Während organisierter Reisen kauften Einzelpersonen Produkte, die entweder billiger oder nicht verfügbar waren. Dieser „Kofferhandel“ bewegte sich im grauen oder illegalen Rahmen (Stokłosa 2013).

Ab 1991 ermöglichte das liberale Grenzregime Schmuggel und „Ameisenhandel“, diese Aktivitäten halfen Transformationshärten und Arbeitslosigkeit abzufedern. Der informelle Ameisenhandel resultierte in der Etablierung von Bazaren, auf denen ehemalige Ameisen Stände mieteten und begannen, Kleidung und Lebensmittel an Ukrainer direkt und legal zu verkaufen (Byrska-Szklarczyk 2012: 99). 2004 bildeten die Bazare 50% der Einzelhandelsflächen in der Stadt. In Interviews mit der regionalen Handelskammer wurde berichtet, dass die Bazare den Kern für die Entwicklung größerer – auf die Ukraine spezialisierter – Handelsunternehmen sind. Aktuell existieren der Ameisenhandel und die Bazare parallel (Barthel, Martin 2010: 145).

Ab 2006 ließen sich wegen des zunehmenden grenzüberschreitenden Einkaufstourismus und der Nähe zu Lviv multinationale Handelsketten in Przemyśl nieder. Ketten wie Tesco, Carrefour, Mediamarkt und Castorama siedelten sich direkt an der Straße nach Medyka an und das mit vielen Bekleidungsketten belegte Einkaufszentrum „Galeria Sanowa“ öffnete seine Türen. Die Produkte und Dienstleistungen, die die Ketten anbieten, orientieren sich an der Nachfrage der ukrainischen Kunden und konkurrieren direkt mit dem Angebot der traditionellen Bazare.

Die Bedeutung des Grenzhandels für die Region ist enorm. Allein 2012 haben 4,5 Millionen Menschen die Grenze überschritten und im Durchschnitt 700 Zloty pro Person vor Ort ausgegeben (Mrozek 2015).

Durch die Professionalisierung des Handels wandelt sich die Wahrnehmung des Nachbarn. Während sich die Polen den vorwiegend ukrainischen „Ameisen“ überlegen fühlten, trafen sie sich in den Bazaren als gleichberechtigte Partner. In den riesigen Supermärkten und Malls wurden die Rollen getauscht. Ukrainer sind Kunden, die von polnischen Mitarbeitern bedient werden. Es handelt sich um eine Neudefinition des Selbstverständnisses, das zu einem ähnlichen Wahrnehmungsschock führte, wie es die Deutschen in der Region Szczecin erlebt haben.

Um Szczecin herrschte lange Zeit ein deutsches Überlegenheitsgefühl in Politik und Alltag vor, wobei die regionale wirtschaftliche Entwicklung stagnierte und die Region wegen Abwanderung und demographischem Wandel als hoffnungsloser Fall galt. Die Raumplanung konzentrierte sich auf Rückbau und die Gemeinden bemühten sich Kindergärten, Schulen und andere kommunale Einrichtungen zu erhalten (Bürkner 2015).

Der EU-Beitritt 2004 verstärkte die dynamische wirtschaftliche Entwicklung in Polen. Der Lebensstandard stieg und die allgemeine politische und alltägliche Stimmung war pragmatisch und optimistisch. Szczecin hinkte der wirtschaftlichen Entwicklung zwar hinterher, profitierte jedoch immer mehr von der Grenznähe, so dass die Immobilienpreise stark stiegen.

Nach dem Beitritt Polens zum Schengenraum 2007 wurde das grenzüberschreitende Pendeln für die polnische Mittelschicht attraktiv. Sie brachte ihr optimistisches Lebensgefühl in die deutschen Vororte, die die eingefahrenen Überlegenheitsgefühle der deutschen Einwohner in Frage stellte (ebd.).
Den Gemeinden ist bewusst, dass die grenzüberschreitende Suburbanisierung ihre Existenz sichert. Neben der Etablierung weiterer deutsch-polnischer Institutionen, Schulen und Kindergärten, entsteht eine neue transnationale Identität, die sich nachhaltig festigen und entwickeln wird, solange die Grenze offenbleibt.

Durch die Kohäsionspolitik der Europäischen Union, die die Öffnung der Grenze und eine stärkere Rolle der Regionen fördert, wurde die historisch belastete Grenze zu einer lokalen Ressource für eine gemeinsame Region.

Die anfängliche Ignoranz deutscher Regionalplaner bzw. der Widerstand polnischer Planer gegenüber dem Entwicklungskonzept für die grenzübergreifende Metropolregion Szczecin wurde daher als Bedrohung der regionalen Entwicklung verstanden. In den lokalen Diskussionen wurden „Schwerin“ und „Warschau“ oft beschuldigt, die lokalen Bedürfnisse nicht zu verstehen, was auf beiden Seiten der Grenze zu einem Gefühl der regionalen „Andersartigkeit“ führte und gleichzeitig den Zusammenhalt innerhalb der Grenzregion stärkte (Jańczak 2017).

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede – wie die Grenze zwei verschiedene Regionen schuf

Zusammenfassend wird deutlich, dass im Alltag beider Grenzregionen ähnliche Prozesse wirken. In beiden Regionen war die Grenze ein Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, verbunden mit unfreiwilligem Bevölkerungsaustausch. Die gewalttätigen Grenzziehungen und Umsiedlungen entfremdeten die Nachbarn. Die lang tabuisierte und unbewältigte Vergangenheit stört wie eine schmerzhafte Narbe der Geschichte die grenzüberschreitende Interaktion bis heute.


Gleichzeitig verstehen und nutzen die Bewohner die Grenze als eine alltägliche Ressource. Während an der deutsch-polnischen Grenze die Grenzländer die Preisunterschiede ausschöpfen, um Immobilien auf der anderen Seite zu kaufen, wird die Grenze in der polnisch-ukrainischen Region durch die Entwicklung des Grenzhandels als Strategie gegen Transformationshärten in Wert gesetzt. Die Stadt Przemyśl nutzt den grenzüberschreitenden Handel und die Nähe zur Ukraine, um Investitionen und Touristen anzuziehen, Szczecin und die deutschen Vorstädte versuchen, eine transnationale Metropolregion zu schaffen. Gemeinden wie Löcknitz und Gartz sind sich bewusst, dass die Nähe zu Szczecin und die Entwicklung eines grenzüberschreitenden suburbanen Raumes (eine Art „Subbordia“) ihre größte Chance für eine nachhaltige lokale Entwicklung ist.
Die grenzüberschreitende Interaktion wird von einzelnen Akteuren angetrieben, die die lokalen transnationalen Beziehungen positiv oder negativ beeinflussen. Während diese Zusammenarbeit in Szczecin institutionalisiert und kaum umkehrbar ist, ist die Grundlage in Przemyśl fließend und stetig bedroht durch national orientierte Kreise.

Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist ein Gefühl von Andersartigkeit, das Martinez beschrieben hat. Das Gefühl der Andersartigkeit ist eng mit dem Alltag an der Grenze verbunden. Beide Regionen fühlen sich von den Hauptstädten zurückgelassen. Szczecin wegen seines Kampfes, die grenzüberschreitende Metropolregion anerkannt zu bekommen, und Przemyśl aufgrund der peripheren Lage der Stadt und der Ausgestaltung des Grenzregimes, das direkt die wirtschaftliche Situation beeinflusst ohne direkte Mitbestimmung.

Der wichtigste Unterschied und vielleicht der wichtigste Faktor für den Erfolg der deutsch-polnischen Grenzregionen ist die Offenheit und Verbindung über die Grenze hinweg. Als direkte Folge der Kohäsionspolitik der EU verlieren die Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten ihre Relevanz.  Die Kohäsion steigert die Verbindung und die ansonsten peripheren Regionen werden zu transnationalen Kontaktzonen, die wirtschaftlich davon profitieren, sich am Schnittpunkt zweier Staaten zu befinden.

Die polnisch-ukrainische Grenzregion zeigt die negative Seite dieser EU-Politik. Um die Binnengrenzen zu öffnen, wurde die Außengrenze befestigt und überwacht. Der unbürokratische Grenzübertritt wurde durch die Visumpflicht verkompliziert. Die zunehmende Grenzschließung wird von den Einheimischen als Bedrohung für den Grenzhandel und damit ihrer Lebensweise verstanden. Das wachsende Gefühl, zurückgelassen zu sein, beeinflusst lokale Debatten und führt zu Protesten auf beiden Seiten der Grenze.

Allgemein befürworten nationale Diskurse Kontrolle und starke Grenzen, da die Grenze als Symbol der nationalen Souveränität deklariert wird. Lokale Diskurse hingegen favorisieren Grenzoffenheit; der Widerspruch begünstigt das Entstehen von regionalen und transnationalen Identitäten.
Der regionale Diskurs gegen die „neuen Mauern und Zäune“ ​​kann auch in anderen Grenzregionen wie der Öresund-Region oder an der deutsch-österreichischen Grenze wahrgenommen werden (Khanna 2016: 389ff.).
Es ist daher notwendig, in den aktuellen Diskussionen über Grenzschließungen, regionale Perspektiven aufzunehmen, da die Menschen hier am meisten betroffen sind und prosperierende Regionen in die Gefahr kommen, erneut in sozio-ökonomische Peripherien verwandelt zu werden.

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