2x Danke!

Wenn heute die East Side Mall eröffnet wird, heißt es 2x DANKE sagen.
Danke an diejenigen, die mit klarem Kompass bereits vor zehn Jahren gegen den Ausverkauf der Stadt gekämpft haben und das bis dato erfolgreichste Bürgerbegehren „Mediaspree versenken!“ durchführten. Und Danke für nichts an die Lobbyisten!

Foto: Foto: George Showman, Flickr, CC BY 2.0, bearbeitet durch Ost Journal
Foto: George Showman, Flickr, CC BY 2.0, bearbeitet durch Ost Journal

Ostberlin!

Wo fängt das heute eigentlich an und wo hört es auf?
Waren Sie mal am Ostbahnhof?
Da, wo man in den frühen 2000er Jahren noch zu Berlinbands im Postbahnhof nebenan hart abrockte, als nebenan schon die Maria am Ostbahnhof schließen musste.
Da, wo heutzutage zu allen Tageszeiten Träumer aus- und einsteigen und zum Berghain taumeln.
Da, wo man immer noch Ossis trifft, wo viele alte Menschen wohnen – immer noch stolz auf die Platte, die sie im Erstbezug beziehen durften.
Seit einigen Jahren entsteht dort ein neues Quartier der Anschutz-Gruppe.
Was für ein grässlicher Ort, der da zwischen Eastside Gallery, Warschauer Straße und Ostbahnhof in Beton gegossen wird.
„Das Industriegelände am Spreeufer war früher ein Wachstumsmotor Berlins. Der US-Milliardär Philip Anschutz will dafür sorgen, dass das wieder so wird“, steht auf der Website zur Investition „M-eins“. Neben der Tamara-Danz-Straße soll dieses mega-kommerzielle „amerikanische Vergnügungsviertel“ entstehen – welch ein Hohn!

Heute, am 31.10.2018, wird direkt nebenan die East Side Mall eröffnet.
„Ost trifft West“ schreit mich die Website des frei ins neudeutsch übersetzt betitelte „Einkaufszentrum der Ost-Seite“ an.
„Jung trifft Alt“ – Oh Gott, denke ich, was kommt bloß als nächstes!
„Wurst trifft Tofu“ – Na bravo.
„Dafür sind wir ’89 nicht auf die Straße gegangen!“, höre ich meine Mama sagen und denke, es ist so beschämend!

East Side Mall

Die East Side Mall ist ab heute Berlins neunundsechzigstes Einkaufszentrum. Es räkelt sich wie ein Wurm in orange-anthrazit unterhalb der Warschauer Brücke vorbei an den Gleisen, mit Blick auf die Mercedes-Benz-Arena, die neulich noch O2-Arena hieß. Hier, zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, wird es 37.800 m2 vermietbare Fläche für Einzelhandel, Dienstleistung, Gastronomie, Freizeit- und Eventfläche geben.
Angesprochen werden sollen die 270.000 Einwohner des Ost-West-Bezirks und die circa 31 Millionen Berlinbesucher jährlich. Investoren dieses Fertigteilbaus zur Beherbergung von Massenkonsumräumen sind eine luxemburgische S.a.r.l., die RFR Holding und die FREO Group. In den 2000er Jahren wurde dieses Geschäft niet- und nagelfest unter dem damaligen SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder eingetütet.

Heute ist genau der richtige Zeitpunkt zu sagen: Danke SPD, es reicht!
„Eure Ordnung ist auf Sand gebaut“, sagte Rosa Luxemburg und daran denke ich mit angstvollem Blick auf diese Zukunft, die uns der Ölmagnat hier im märkischen Sand verbaut. Und: Dies sage ich mir mit entschlossenem Blick auf diejenigen Bauvorhaben, für die SPD-Granden noch immer machtvoll lobbyieren. Wir wollen den Ausverkauf beenden!

Die Autorin

Katalin Gennburg wurde bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 im Wahlkreis Treptow-Köpenick 1 direkt in das Abgeordnetenhaus gewählt. Sie ist Sprecherin für Stadtentwicklung und Smart City in der Fraktion Die Linke. Sie wurde 1984 im sachsen-anhaltinischen Weißenfels geboren und kam über die Schrumpfung ostdeutscher Städte nach 1990 zur Stadtforschung.

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