Die Militärübung Sapad 2017: Unionstaat gegen Weischnoria

Seit der Annexion der Krim haben sich die militärischen Spannungen zwischen Russland und der NATO eklatant verschärft. Ein besonderes Augenmerk werden Beobachter daher auf die russisch-belarussische Wehrübung Sapad 2017 legen, die am 14. September beginnt.

von Anastasiya Maisenia, Minsk

Sapad 2017 ist eine planmäßige gemeinsame russisch-belarussische Wehrübung, die ab 2009 nach dem Entschluss der Präsidenten Medwedew und Lukaschenka ein Mal in zwei Jahren stattfindet.

Dieses Jahr wird der Militäreinsatz vom 14. bis 20. September auf dem Territorium der Republik Belarus durchgeführt. Im Szenario hat der Unionstaat von Russland und Weißrussland zum Ziel, einen östlichen Teil von Belarus, der gute Beziehungen zu Russland hat, gegen den westlichen Teil zu schützen, der eine abtrünnige Kleinrepublik „Weischnoria“ bildet. Weischnoria ist ein ausgedachtes Land, dessen Territorium in einem traditionell eher prowestlichen Teil von Belarus liegt und das sehr enge Beziehung zu seinen westlichen Nachbarn pflegt („Vesbaria“ und „Lubenia“).

Trotz des planmäßigen Charakters dieser Wehrübung ist der Westen sehr skeptisch gegenüber dem bloß defensiven Charakter. Das zeigt sich an verschiedenen Punkten:

 

Die Zahl der Soldaten

Russland behauptet, dass die Gesamtzahl von Militärangehörigen während des Manövers auf jeden Fall unter 13.000 liegen wird. Aber warum genau 13.000? Es ist kein Zufall: Gemäß dem Wiener Dokument über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen sind militärische Aktivitäten zu beobachten, wenn die Stärke des eingesetzten Personals 13.000 Mann erreicht oder überschreitet.

Aus diesem Grund haben westliche Analytiker kein Vertrauen im Hinblick auf die genannte Zahl, besonders nach der Wehrübung Russischer Frühling in 2014, die an der ukrainischen Grenze stattfand und wo die reelle Zahl der Soldaten genauso unterschätzt wurde. Wiederum kündigt The New York Times an, dass Russland sich darauf vorbereite, Ende des Sommers 2017 100.000 Truppen an den östlichen Rand des NATO-Territoriums zu schicken.

Die meisten Sorgen haben aber die Nachbarn von Belarus, und zwar Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine, weil es folgenden weiteren Punkt gibt, der nicht ganz klar ist:

 

Das Ziel der Wehrübung

Das deklarierte Ziel sei sowohl die Überprüfung der Möglichkeit von Russland und Belarus, die Sicherheit des Unionsstaates zu gewährleisten, als auch die Bereitschaft, mögliche Aggressionen abzuwehren. Allerdings findet man diese Aussage im Westen kaum glaubwürdig und geht davon aus, dass Moskau mit diesem Militärmanöver weitgreifende Pläne fortsetzen kann.

Die größten Sorgen, die der Westen mit Sapad 2017 verbindet, können folgendermaßen zusammengefasst werden: Ein gewisser Anteil russischer Militärangehöriger könnte nach dem 20. September belarussisches Territorium nicht verlassen.

Obwohl der belarussische Präsident Aljaksandr Lukaschenka den Bürgerinnen und Bürgern glauben machen will, dass es keinen Anlass zur Sorge gebe, befürchten manche westliche und belarussische Analytiker, dass die Wehrübung eine reelle Bedrohung für die Souveränität des Landes darstellt.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass obwohl Belarus und Russland einen Unionstaat bilden, es aber momentan keine russische Militärbasis in Belarus gibt, sondern nur einige Militärobjekte. Und es ist klar, dass nach der Ukraine-Krise niemand in der belarussischen Regierung die Verantwortung dafür tragen will, das grüne Licht zur Einrichtung einer Militärbasis zu geben. Allerdings hat Präsident Wladimir Putin im Jahr 2015 eine Anordnung gegeben, ein Abkommen über den Aufbau einer russischen Luftwaffenbasis mit Belarus zu unterschreiben. Die Seiten haben jedoch noch keine Vereinbarung getroffen, deshalb gibt es immer noch keine Militärbasis auf belarussischem Territorium.

Trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass es keine russische Militärbasis in Belarus gibt, warnen belarussische Oppositionspolitiker vor einer hybriden Okkupation.  Und der Anlass dafür ist Sapad 2017. Allerdings sagen die meisten Experten, dass es momentan nicht im Interesse von Russland sei, die Beziehungen mit dem Westen weiter zu verschärfen.


Foto: Dmitry Terekhov, Flickr, (CC BY-SA 2.0)

Print Friendly, PDF & Email