Call for Papers Ausgabe 04/2018: Ungewöhnliche Allianzen

Deadline: Freitag, 07. September 2018 an mail@ost-journal.de

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In Budapest und Prag kann man sich nicht entscheiden: Moskau ist zwar als sowjetischer Aggressor noch gut im Gedächtnis, doch gegen zu viel kosmopolitisches Europa steht man zusammen. Auf dem Balkan weiß man nicht so recht: Kämpft die Zivilgesellschaft mit der EU gegen die korrupte nationale Elite? Oder kämpft die korrupte nationale Elite mit der EU gegen die Zivilgesellschaft? In Polen ringt die katholische Kirche um ihre Position: Ist sie papsttreu und unterstützt die Flüchtlingshelfer oder ist sie papstkritisch und dem Lager der Abschottung zugehörig? Im Kreml scheint sich die Schizophrenie zu verbreiten: Der Tag des Sieges über den Faschismus wird in antifaschistischer Tradition groß gefeiert, aber die neuen Nazis innerhalb und außerhalb Russlands erhalten fleißig Unterstützung. Und in Ostdeutschland fragt man sich angesichts des dominanten westdeutschen Mainstreams: Treten wir nach unten auf Migranten, um uns selbst etwas deutscher zu fühlen oder verbünden wir uns doch lieber mit ihnen?

Foto: Polybert49, Flickr, CC BY-SA 2.0, bearbeitet durch Ost Journal
Foto: Polybert49, Flickr, CC BY-SA 2.0, bearbeitet durch Ost Journal

Allianzen sind dann besonders interessant, wenn sie über bestehende Lager hinaus gehen. Ihr gemeinsames Interesse bringt sie zusammen. Gerade das kann sie ungewöhnlich machen: Ist der Feind meines Feindes schon mein Freund? Oder verbirgt sich vielleicht mehr dahinter?

Für das Ost Journal ist die Frage nach ungewöhnlichen Allianzen besonders spannend: Der Neuanfang mit dem Systemwandel ab 1989 einerseits und die verborgenen Kontinuitäten während des Staatssozialismus andererseits prallen in den post-sozialistischen Regionen Europas in einer Situation aufeinander, in der eine neue Ökonomie, ein neues politischen System, neue staatliche Institutionen und sogar neue Staaten zeitgleich aufgebaut werden. In dieser Konstellation sind die post-sozialistischen Gesellschaften bereits stark politisiert, doch genießen politische Parteien, sogar die Politik als solche, eher wenig Vertrauen in der Bevölkerung.

Gerade das bildet den Nährboden für ungewöhnliche Allianzen. Die Redaktion beschäftigt sich in der nächsten Ausgabe ausführlich mit ihnen: Was macht diese Allianzen so ungewöhnlich? Was hält sie zusammen? Was bewirken sie in der post-sozialistischen Transformation? Welche Allianzen schaffen es besonders stark zu polarisieren und welche entstehen erst aufgrund einer vorhandenen Polarisierung? Welche Kontinuitäten stecken hinter vermeintlich neuen Allianzen? Was macht sie so scheinbar ungewöhnlich, und warum sind sie es auf dem zweiten Blick doch nicht? Was führt dazu, dass manche Allianzen scheitern, andere aber nicht? Welche Zukunft haben bestehende ungewöhnliche Allianzen?

Die Redaktion interessiert sich für ungewöhnliche Allianzbildungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene in gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Bereichen. Hierbei kann es sich um gegenwärtige oder um historische Allianzen handeln.

 

Redaktionelle Anmerkungen

Interessierte können unveröffentlichte Manuskripte, Artikelentwürfe, Exposés oder Abstracts (hier mind. 300 Wörter) einreichen. Bei eingereichten Abstracts erfolgt eine Zusage lediglich unter Vorbehalt, bis der fertige Artikel der Redaktion vorliegt. Die ausgewählten Artikel müssen unter Beachtung der Hinweise für Autorinnen und Autoren vorliegen. Etwaige Quellenangaben müssen unter amerikanischer Zitierweise als Kurzbelege hinter dem Satz erfolgen (Harvard-System). Interessierte müssen im Rahmen des Call for Papers die angestrebte Länge und den Stil des fertigen Artikels vermerken. Die Redaktion prüft die Textentwürfe auf sprachliche und inhaltliche Verständlichkeit und leitet den Autorinnen und Autoren das Feedback zur Verbesserung der Beiträge zu.

Art und Länge der finalen Beiträge
  • ein eingehender, längerer Beitrag von 5-7 Seiten (ca. 21.000 Zeichen) oder
  • ein kürzerer Beitrag von 2-4 Seiten (ca. 12.000 Zeichen)
  • Artikelformate können im akademischen, halb-akademischen, essayistischen oder journalistischen Stil verfasst sein
  • neben akademischen und halb-akademischen Beiträgen freut sich die Redaktion über Interviews, Reportagen, Porträts, Kommentare und Rezensionen

Für die Beiträge kann die Redaktion leider kein Honorar zahlen. Die Redaktion nimmt ihre Tätigkeiten ehrenamtlich wahr (redigieren und lektorieren der eingesendeten Beiträge, Vorbereitung des Vertriebs etc.). Etwaige Umsätze durch den Verkauf decken die anfallenden Betriebskosten (Druck, Layout, Server, etc.).

Zeitplan der Veröffentlichung

Zusendung Abstracts/Entwürfe an die Redaktion Freitag, 07. September
Auswahl Abstracts/Entwürfe Montag, 10. September
Zusendung Entwurf an die Redaktion Freitag, 12. Oktober
Feedback durch Redaktion an die Autor/innen Donnerstag, 18. Oktober
Zusendung der überarbeiteten Beiträge an die Redaktion Freitag, 26. Oktober
Zuarbeit Texte/Bilder an Layout Dienstag, 30. Oktober
Layout erster Entwurf Gesamtausgabe Dienstag, 06. November
Layout zweiter Entwurf Gesamtausgabe Dienstag, 20. November
Druckauftrag Samstag, 24. November
Veröffentlichung Montag, 03. Dezember

 

Über das Ost Journal

Das Ost Journal setzt sich durch vier Merkmale von bestehenden Publikationen im Ost-Europa-Bereich ab:

Erstens) Es thematisiert sämtliche post-sozialistische Regionen in Europa: Ostdeutschland, die Staaten des ehemaligen Ostblocks, des ehemaligen Jugoslawien oder der ehemaligen Sowjetunion. Wir blicken auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Zweitens) Die Artikel stammen überwiegend von jungen Autorinnen und Autoren der Wende- und Nachwendegeneration, welche einen persönlichen Bezug zur post-sozialistischen Transformation haben oder deren thematischer Schwerpunkt in diesem Bereich liegt.

Drittens) Das Journal hat einen engen Kontakt zum Deutschen Bundestag: Viele bisherige Autorinnen und Autoren haben am Internationalen Parlamentsstipendium des Bundestages (IPS) teilgenommen, Bundestagsabgeordnete gehören zu den Abonnentinnen und Abonnenten des Journals und nutzen es zur Begleitung ihrer politischen Arbeit.

Viertens) Die Ausgaben sind zusammengesetzt sowohl aus akademischen als auch aus halb-akademischen und journalistischen Beiträgen.

Das Ost Journal erscheint seit Sommer 2017 halbjährig als interdisziplinäres Printmagazin. Alle Artikel erscheinen zudem kostenlos zeitversetzt auf der Internetseite und sind frei zugänglich.

Die Redaktion peilt für die Ausgabe eine Auflagenhöhe von 500 bis 1.000 Stück an und einen Vertrieb an Bahnhofsbuchhandlungen und thematisch zugeschnittenen Zeitungskiosken und Buchhandlungen in ostdeutschen Universitätsstädten sowie in ausgewählten Großstädten in den alten Bundesländern.

Unser Magazin will die Stimme der Generation der post-sozialistischen Transformation hörbar machen. Wir wollen dazu beitragen, eine neue Erzählung von Europa zu schaffen, die von Angst und Stereotypen befreit ist und die dem antipluralistischen und antidemokratischen Narrativ entgegensteht, das sich in der Krise verbreitet.

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