Call for Papers Ausgabe 02/2017: Alte und neue Grenzen in Europa

Call for Papers I: Alte und neue Grenzen in Europa

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs nahm man sich der Vorstellung an, die Zeit großer Teilungen, aber auch großer Narrative (Lyotard) wäre hinter uns und das Ende der Geschichte im Hegelschen Sinne endlich eine Sache der Realität (Fukuyama). Tatsächlich scheint es jedoch, als ließe sich eine Iteration alter Konflikte beoachten: eine Neuauflage des Ost-West-Konflikts, Aufrüstungswettkämpfe, die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen sowie die Rede vom Bau von Mauern in Europa. Aus der Psychoanalyse kennen wir den Mechanismus der Wiederholung: Der Repetition haftet die Bedeutung an, dass etwas nicht aufgearbeitet wurde und deshalb nicht zu seinem Abschluss kommen konnte. In diesem Call for Papers möchten wir uns mit den Iterationen und Repetitionen europäischer (Grenz)Konflikte auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang wollen wir erörtern, welche Bedeutung und Auswirkungen Grenzen in Europa zwischen Osten und Westen innerhalb und außerhalb der EU haben.

Den Begriff der Grenze wollen wir dabei relativ weit fassen: von der territorialen, ideologischen und soziologischen Bedeutung von Grenzen über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen bis hin zu körperlichen Grenzen, an denen sich das Politische auf dem Körper als der Schnittfläche zwischen Innen und Außen immer auf je spezifische Weise abspielt. Die Redaktion lädt dazu ein, das Phänomen der Grenze auf der Makro-, Meso- und Mikroebene zu betrachten (z.B. Bedeutung von Staatsgrenzen, Grenzen im Hinblick auf zivilgesell. Organisationen, Grenzstädte).

Da wir von einer Wiederholung bzw. Iteration alter Konflikte oder Grenzziehungsmechanismen ausgehen, begrüßt die Redaktion sowohl Beiträge, die die bewegte Historie europäischer Grenzkonflikte offenlegen, als auch theoretisch ausgerichtete Arbeiten, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede alter und neuer Grenzen Europas eingehend wissenschaftlich analysieren und gesellschaftskritische Diagnosen im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft Europas anbieten. Von besonderem Interesse sind Artikel, die sich mit der ehemaligen Grenzziehung zwischen dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten Europas und den Nachwirkungen dieser auseinandersetzen. Wir stellen uns z.B. die Frage, ob es im Rahmen politischer Rhetorik in post-sozialistischen bzw. in post-kommunistischen Ländern einen Rekurs auf den Sozialismus oder Kommunismus gibt und welchen Stellenwert er im politischen Diskurs einnimmt: Inwiefern ist der alte ideologische Kampf zu erneuter Aktualität gelangt? Welche Bedeutung haben Grenzen im Kontext der Transformation post-sozialistischer bzw. post-kommunistischer Gesellschaften? Wo verlaufen soziale und geographische Reichtums- und Armutsgrenzen in Europa?

Wir wollen aber auch die aktuell brennenden Fragen der Flüchtlingskrise und des Krieges in der Ukraine nicht außer Acht lassen: Wie haben diese Krisen auf die Grenzziehungen im inneren Europas und nach außen Einfluss genommen? Welche außenpolitischen Folgen ergeben sich in der Auseinandersetzung mit diesen Problemen? Haben die Flüchtlingskrise und der Krieg in der Ukraine ideologische Neupositionierungen zustande gebracht bzw. alte Konflikte neu entfacht? Was sind die Gründe für eine offenbare erneute Spaltung in Ost und West, wie dies z.B. bei der Flüchtlingskrise deutlich wird? Jenseits der konkret politik- bzw. sozialwissenschaftlichen Beiträge begrüßt die Redaktion auch künstlerische Arbeiten, die sich mit dem Thema beschäftigen: von literarisch-philosophischen Essays über biographisch angehauchter Lyrik bis hin zu Kunstphotographie.

Die Deadline ist der 27. Juli 2017. Interessierte können unveröffentlichte Manuskripte und Artikelentwürfe oder Abstracts (hier mind. 300 Wörter) einreichen. Die Redaktion trifft die Auswahl bis zum 31. Juli. Bei eingereichten Abstracts erfolgt eine Zusage lediglich unter Vorbehalt, bis der fertige Artikel der Redaktion vorliegt. Die ausgewählten Artikel müssen bis zum 24. August 2017 der Redaktion vorliegen. Die Veröffentlichung der Ausgabe findet voraussichtlich Anfang Oktober statt. Zur Länge der Beiträge gibt es zwei Optionen: entweder ein eingehender, längerer Artikel von 5-7 Seiten (ca. 21.000 Zeichen) oder ein kürzerer Text von 2-4 Seiten (ca. 12.000 Zeichen) in journalistischem, essayistischem oder (populär)wissenschaftlichem Stil. Interessierte müssen im Rahmen des Call for Papers unbedingt Keywords sowie die angestrebte Länge des fertigen Artikels vermerken. Für kürzere Artikel zahlt die Redaktion ein Honorar von 40 Euro, für längere Artikel ein Honorar von 70 Euro.
Die Beiträge bittet die Redaktion per E-Mail an mail@ost-journal.de zu senden.

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Den Call for Papers “Alte und neue Grenzen in Europa” als *pdf-Datei hier als Download.


Call for Papers II: Was ist Ost-Europa?

Bereits in der Ausgabe 01/2017 hat sich das Ost-Journal mit der Frage beschäftigt, was Ost-Europa ist. Diese Leitfrage soll uns kontinuierlich in der zukünftigen Arbeit begleiten, denn die Umbrüche und Wandlungsprozesse, die in Ost-, Süd-, und Südost-Europa in den letzten 26 Jahren stattgefunden haben, scheinen nach wie vor in vielen Fragen nicht aufgearbeitet. Jenseits von (N)Ostalgie und Ressentiment stellt sich die Redaktion die Frage nach dem heutigen Verhältnis zu ehemaligen sozialistischen Regimen. In den verschiedenen Disziplinen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, gab es und gibt es verschiedene Ansätze: Die einen denken Ost-Europa als einen spezifischen historischen Raum unter dem Einfluss des Sozialismus. Behauptet wird, dass die „etwas andere“ Entwicklung heutiger osteuropäischer Demokratien gerade den Nachwirkungen des staatssozialistischen Systems zu verdanken sei. Demokratiedefizite sowie die postulierte Rückständigkeit Osteuropas erklärt diese Argumentationsrichtung mit dem antidemokratischen Erbe der Vergangenheit. Andere Ansätze neigen zu Dekonstruktionsversuchen und sehen in den heutigen Erscheinungen in post-sozialistischen Ländern keine notwendigen kausalen Zusammenhänge mit den ehemaligen politischen Systemen am Werke. Sie gehen davon aus, dass jedes sozialistische System eine individuelle Ausprägung sei und, sofern feststellbar, individuelle Nachwirkungen habe. Ein in Anlehnung an kunsttheoretische Diskurse verfolgter Ansatz stellt der liberal-demokratischen, kapitalistischen These vom Ende der Utopie die Retroutopie entgegen: Als melancholische Rückschau, die das Ende der industriellen Moderne und den damit einhergehenden Verlust des Sozialen betrauere, sei die post-sozialistische Situation nur eine Spielart der postutopischen, globalen Suche nach Gesellschaft.

Trotz dieser unterschiedlichen Ansätze gibt es spezifische Begriffe, die mit diesem Wissenschaftsbereich verbunden sind: Transition und Transformation  gehören zur gängigen Terminologie der Beschreibung post-sozialistischer Gesellschaften. Während der Begriff der Transformation eher wertneutral ist und einen offenen Prozess ohne klaren Ausgang definiert, hat die Transition eine eindeutige Markierung: sie beschreibt den politischen Übergang aus einem autoritären beziehungsweise totalitären Regime in ein (liberal)demokratisches politisches System mit freier Marktwirtschaft. Diese Unterscheidung übernehmen wir in unserem Umgang mit dem Thema als Richtlinie. Das Post-Sozialistische beziehungsweise Post-Kommunistische deutet dabei auf die Frage nach der Abgeschlossenheit oder Unabgeschlossenheit der Vergangenheit.

Mit diesem Call for Papers beabsichtigt die Redaktion, sich kontinuierlich in Beiträgen verschiedenster Art an das Thema Ost-Europa anzunähern. Deshalb ist die Fragestellung weit gefasst. Der Redaktion ist wichtig, eine Diskussionsplattform zu schaffen, deren Richtung wesentlich von den AutorInnenbeiträgen angegeben wird, und das Anliegen nach intellektuellem Austausch zum Thema Ost-Europa fördert und dokumentiert. Die Beiträge können in Form von Reportagen, wissenschaftlichen Artikeln, Kommentaren, Essays etc. verfasst werden.

Die Deadline ist der 27. Juli 2017. Interessierte können unveröffentlichte Manuskripte und Artikelentwürfe oder Abstracts (hier mind. 300 Wörter) einreichen. Die Redaktion trifft die Auswahl bis zum 31. Juli. Bei eingereichten Abstracts erfolgt eine Zusage lediglich unter Vorbehalt, bis der fertige Artikel der Redaktion vorliegt. Die ausgewählten Artikel müssen bis zum 24. August 2017 der Redaktion vorliegen. Die Veröffentlichung der Ausgabe findet voraussichtlich Anfang Oktober statt. Zur Länge der Beiträge gibt es zwei Optionen: entweder ein eingehender, längerer Artikel von 5-7 Seiten (ca. 21.000 Zeichen) oder ein kürzerer Text von 2-4 Seiten (ca. 12.000 Zeichen) in journalistischem, essayistischem oder (populär)wissenschaftlichem Stil. Interessierte müssen im Rahmen des Call for Papers unbedingt Keywords sowie die angestrebte Länge des fertigen Artikels vermerken. Für kürzere Artikel zahlt die Redaktion ein Honorar von 40 Euro, für längere Artikel ein Honorar von 70 Euro.
Die Beiträge bittet die Redaktion per E-Mail an mail@ost-journal.de zu senden.

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