Linkspolitikerin Lötzsch: Tag der Befreiung muss gesetzlicher Gedenktag werden

Jeden Tag wird Geschichte neu geschrieben. Besonders der Tag der Befreiung ist in unserem Land hart umkämpft. Meine Fraktion möchte, dass der Tag der Befreiung ein gesetzlicher Gedenktag wird. Diese Woche bringen wir einen Antrag im Bundestag ein.

Kommentar von Gesine Lötzsch, Berlin

Gesine Lötzsch, Foto: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Flickr, CC-BY-2.0
Gesine Lötzsch, Foto: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Flickr, CC-BY-2.0

Das ist nicht nur eine Frage der Geschichtsschreibung. Es geht vor allem um die Gegenwart. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland ist zerrüttet. Genauer gesagt, das Verhältnis zwischen den Regierungen. Eine Ursache ist, dass die Bundesrepublik nie die historische Leistung der Sowjetunion bei der Befreiung Deutschlands vom Faschismus anerkannt hat. Es fehlt einfach der Respekt vor den Millionen Menschen, die ihr Leben in diesem furchtbaren Krieg gaben, um Deutschland vom Faschismus zu befreien.

CDU/CDU und SPD haben unseren Antrag immer abgelehnt. In Bayern, Hessen und Sachsen gibt es einen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Seit 2015 ist dieser Tag sogar ein nationaler Gedenktag. Die Bundesregierung ist offensichtlich nur bereit, der eigenen Opfer zu gedenken, nicht aber der Menschen, die unser Land vom Faschismus befreit haben. Das ist respektlos.

Die Bundesregierung ist offensichtlich nur bereit, der eigenen Opfer zu gedenken, nicht aber der Menschen, die unser Land vom Faschismus befreit haben. Das ist respektlos.

In den vergangenen Jahren haben die Gegner unseres Antrages wie folgt argumentiert: Wir begehen am 27. Januar den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ als nationalen Gedenktag. Das ist richtig.

Wir wollen am 27. Januar der Opfer des Faschismus gedenken. Wir wollen aber auch am 8. Mai an unsere Befreier erinnern und ihnen danken. Denn die Befreiung vom Faschismus war für uns Deutsche die Voraussetzung für die Formulierung des Satzes im Grundgesetz Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der 8.Mai – der Tag der Befreiung – ist das Schlüsselerlebnis der Deutschen im 20. Jahrhundert. Das sollte uns einen Gedenktag wert sein.

Wir als LINKE werden diesen Tag immer feierlich begehen. Wir wollen, dass sich die Menschen mindestens an einem Tag im Jahr die Zeit nehmen, um über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges zu diskutieren und der über 50 Millionen Opfer zu gedenken.

In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen ist der Tag der Befreiung bereits ein offizieller Gedenktag. Das hat die LINKE in den jeweiligen Regierungen durchgesetzt. Im Mai hat der Bundestag die Möglichkeit, ein friedenspolitisches Zeichen zu setzen. Ich bin gespannt, wie die Abstimmung ausgeht.

Die Autorin

Gesine Lötzsch ist stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke. im Bundestag. Sie ist direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Berliner Wahlkreis Lichtenberg.

Am 10. Mai 2018 lädt sie zur Veranstaltung Lesen gegen das Vergessen auf dem Bebelplatz in Berlin ein. Gäste sind unter anderem Beate Klarsfeld, Ben Becker und Klaus Lederer. Beginn ist 15 Uhr.

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